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Standard an Beispielen erklärt - Der Deutsche Pinscher

Was ist ein Widerrist und wo befindet sich die Kruppe? Spannende Fragen die ich hier anhand des Deutschen Pinscher FCI Standards Nr. 184 etwas verständlicher machen möchte. Kynologische Lektüre anhand von Bildern anschaulich erklärt. Die folgenden Bilder beziehen sich immer nur auf das angesprochene Körperteil und können mit einem Klick vergrößert werden. Kursiv geschriebene Texte sind von uns eingefügte Anmerkungen. Kein Hund ist perfekt (auch unsere nicht) und Schönheit liegt oft im Auge des Betrachters. Gewisse Standardrichtlinien kann man aber als Maßstab nehmen. Auch ich bin nicht perfekt, sollte also jemandem etwas auffallen bitte ich um kurze Nachricht. :)

FCI Standard Nr. 184 / 18.04.2007 / D

URSPRUNG : Deutschland.
DATUM DER PUBLIKATION DES GÜLTIGEN ORIGINAL- STANDARDES : 06.03.2007
VERWENDUNG : Wach- und Begleithund.
KLASSIFIKATION FCI: Gruppe 2 Pinscher und Schnauzer -Molossoide - Schweizer Sennenhunde

und andere Rassen. Sektion 1 Pinscher und Schnauzer. Ohne Arbeitsprüfung.
KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS : Der glatthaarige Pinscher repräsentiert eine sehr alte Rasse, die bereits 1880 im Deutschen Hundestammbuch erwähnt wurde. Er hat die gleichen Vorfahren wie der Schnauzer, den man auch rauhhaariger Pinscher nannte. Der glatthaarige Pinscher unterschied sich von Anfang an durch seine Farbe und das kurze Haarkleid von den Rauhhaarigen. Die meisten von ihnen waren schwarz mit hellbraunen Abzeichen, einfarbig in Brauntönen bis rot, pfeffer/salz-farbig oder einfach blaugrau bis schwarz.
ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD : Der Deutsche Pinscher ist glatthaarig, mittelgross, von stolzer Haltung, fliessend in den Umrisslinien, elegant und quadratisch gebaut. Er ist kräftig wie der Schnauzer; seine gut entwickelte Bemuskelung wird besonders in der Bewegung wegen des kurzen Glatthaares deutlich sichtbar.

WICHTIGE PROPORTIONEN :
• Im Verhältnis von Länge zur Höhe soll das Gebäude möglichst quadratisch erscheinen.
• Die Gesamtlänge des Kopfes (Nasenspitze bis Hinterhauptbein) entspricht der Hälfte der Rückenlänge (Widerrist bis Rutenansatz).



VERHALTEN / CHARAKTER (WESEN) : Lebhaft, temperamentvoll, selbstsicher und ausgeglichen, gepaart mit Klugheit und Ausdauer, was ihn zu einem angenehmen Familien-, Wach- und Begleithund macht.



KOPF:
OBERKOPF :

Schädel : Kräftig, gestreckt, ohne stark hervortretendes Hinterhauptbein. Die Stirn ist flach und verläuft parallel zum Nasenrücken.
Stop : Leicht, aber dennoch deutlich markiert.



GESICHTSSCHÄDEL :
Nasenschwamm : Die Nasenkuppe ist gut ausgebildet und stets schwarz.
Fang : Er endet in einem stumpfen Keil. Der Nasenrücken ist gerade.
Lefzen : Schwarz, fest und glatt an den Kiefern anliegend, Lefzenwinkel geschlossen.
Kiefer / Zähne : Kräftiger Ober- und Unterkiefer. Das vollständige Scherengebiss (42 Zähne gemäss der Zahnformel) ist kräftig, gut schliessend und rein weiss. Die Kaumuskulatur ist kräftig entwickelt, ohne störende Backenbildung.
Augen : Dunkel, oval, schwarz pigmentierte, gut anliegende Lider.
Ohren : Klappohren, hoch angesetzt, V-förmig, die Ohrinnenkanten an den Wangen anliegend, nach vorn gedreht in Richtung Schläfe, wobei die parallele Faltung den Oberkopf nicht überragen soll.



HALS : Edel geschwungen, nicht zu kurz. Ohne Ansatz harmonisch in den Widerrist übergehend; trocken, ohne Wamme oder lose Kehlhaut. Die Kehlhaut ist straff und liegt faltenlos an.



 

KÖRPER :
Obere Profillinie : Vom Widerrist ausgehend nach hinten leicht abfallend.
Widerrist : Er bildet die höchste Stelle der Oberlinie.
Rücken : Kräftig, kurz und stramm.
Lenden : Lendenpartie kurz, kräftig und tief. Der Abstand vom letzten Rippenbogen bis zur Hüfte ist kurz, damit der Hund kompakt wirkt.
Kruppe : In leichter Rundung verlaufend, unmerklich in den Rutenansatz übergehend.
Brust : Mässig breit, im Querschnitt oval, bis zu den Ellenbogen reichend. Die Vorbrust ist durch die Brustbeinspitze markant ausgebildet.
Untere Profillinie und Bauch : Flanken nicht übermässig aufgezogen, mit der Unterseite des Brustkorbes eine schöne geschwungene Linie bildend.



RUTE : Naturbelassen : Zuchtziel ist die Säbel – oder Sichelrute.


Auch wenn du mich niedlich findest musst du wissen dass meine Rute und meine Ohren NICHT naturbelassen sind! Sie wurden abgeschnitten! Man nennt diesen Vorgang auch kupieren! In Deutschland ist das zum Glück verboten. Kupierte Hunde (auch aus dem Ausland) dürfen hier nicht ausgestellt werden. Nachzulesen im §12 Tierschutzgesetz!



GLIEDMASSEN
VORDERHAND :
Allgemeines : Vorderläufe sind, von vorn gesehen, stämmig, gerade und nicht eng gestellt. Die Unterarme stehen, seitlich gesehen, gerade.
Schultern : Das Schulterblatt liegt fest dem Brustkorb an, ist beiderseits der Schulterblattgräte gut bemuskelt und überragt oben die Dornfortsätze der Brustwirbel. Möglichst schräg und gut zurückgelagert, beträgt der Winkel zur Waagrechten ca. 50°.
Oberarm : Gut am Rumpf anliegend, kräftig und muskulös, Winkel zum Schulterblatt etwa 95° bis 105°.
Ellenbogen : Korrekt anliegend, weder aus- noch einwärts drehend.
Unterarm : Kräftig entwickelt und bemuskelt, von vorne und von der Seite gesehen völlig gerade.

Vorderfusswurzelgelenk : Kräftig und stabil.
Vordermittelfuss : Kräftig und leicht federnd, von vorn gesehen senkrecht, von der Seite betrachtet leicht schräg zum Boden stehend.
Vorderpfoten : Kurz und rund. Zehen eng aneinanderliegend und gewölbt (Katzenpfoten), Ballen derb, Nägel kurz, schwarz und stark.



HINTERHAND :
Allgemeines : Von der Seite gesehen schräg gestellt, von hinten gesehen parallel verlaufend, nicht eng gestellt.
Oberschenkel : Mässig lang, breit und kräftig bemuskelt.
Knie : Weder ein- noch auswärts gedreht.
Unterschenkel : Lang und kräftig, sehnig, in ein kraftvolles Sprunggelenk übergehend.
Sprunggelenk : Ausgeprägt gewinkelt, kräftig, stabil, weder nach innen noch nach aussen gerichtet.
Hintermittelfuss : Senkrecht zum Boden stehend.
Hinterpfoten : Etwas länger als die Vorderpfoten, Zehen eng aneinanderliegend und gewölbt; Nägel kurz und schwarz.



GANGWERK : Der Deutsche Pinscher ist ein Traber. Der Rücken bleibt in der Bewegung fest und relativ ruhig. Der Ablauf der Bewegung ist harmonisch, sicher, kraftvoll und ungehemmt, bei guter Schrittweite. Typisch für den Trab ist ein raumgreifender, gelöster und flüssiger Bewegungsablauf, mit kräftigem Schub und freiem Vortritt.

Der Pinscher soll weder hinten "eng" laufen noch vorne die Ellenbogen aus- oder eindrehen. Von vorne und hinten soll das Gangwerk parallel wirken. Die Gliedmaßen sollen nicht "schwimmen". Wichtig beim Pinscher ist die Laufgeschwindigkeit.


Er soll in einer angemessenen Geschwindigkeit traben und nicht lustlos sondern mit kräftigem Schub nach vorne laufen. Fällt er ins Galopp oder fängt er an zu"hoppeln" läuft man zu schnell. Das richtige Schritttempo will geübt sein. Synonyme für raumgreifend sind großartig, imponierend, weiträumig. Der Vortritt sollte ungehämmt sein und so bodennah wie möglich. Der Hund an sich bleibt in der Bewegung ruhig und die Gliedmaßen pendeln wie ein Uhrwerk. Die Bewegung des Hundes ist ein sehr komplexes Thema. Wir empfehlen deshalb das Buch "Hunde in Bewegung" von Martin S. Fischer und Karin E. Lilje sowie das zugehörige VDH Seminar zu besuchen. 



HAUT : Eng anliegend am ganzen Körper.

HAARKLEID
HAAR : Kurz und dicht, glatt anliegend und glänzend, ohne kahle Stellen.

FARBE :

• Einfarbig : Hirschrot, rot-braun bis dunkelrot-braun.
• Schwarzrot: Lackschwarzes Haar mit roten bzw. braunen Abzeichen. Anzustreben ist ein möglichst dunkler, satter, scharf abgegrenzter Brand. Die Abzeichen verteilen sich : über den Augen, an der Halsunterseite, am Mittelfuss der Vorderläufe, an den Pfoten, an den Innenseiten der Hinterläufe und unter der Rutenwurzel. Zwei gleichmässige, voneinander sauber abgegrenzte Dreiecke an der Brust.

GRÖSSE UND GEWICHT :
Widerristhöhe : Rüden und Hündinnen:45 bis 50cm.
Gewicht : Rüden und Hündinnen : 14 bis 20 Kg.



FEHLER Insbesondere
• Plumper oder leichter, niedriger oder hochläufiger Bau. (unquadratisch oder unförmig)
• Schwerer oder runder Oberkopf.
• Stirnfalten.
• Kurzer, spitzer oder schmaler Fang.
• Zangengebiss.
• Helles, zu kleines oder zu grosses Auge.
• Tief angesetzte oder sehr lange, unterschiedlich getragene Ohren.
• Stark hervortretende Backenknochen.
• Lose Kehlhaut.
• Zu langer, aufgezogener oder weicher Rücken.
• Karpfenrücken.

• Abfallende Kruppe.
• Lange Pfoten.
• Passgang. (läuft mit rechtem Vorder- und Hinterbein gleich. Im Trab nimmt er die gegenüberliegenden)
• Steppender Gang. (ähnlich wie ein Storch)
• Dünnes Haar.
• Aalstrich, dunkler Sattel und verblasstes oder aufgehelltes Haarkleid.
• Über- und Untergrösse bis zu 1 cm.


SCHWERE FEHLER
• Mangelnder Ausdruck des Geschlechts (z.B. rüdenhafte Hündin).
• Windiges Aussehen.
• Apfelkopf.
• Nicht parallele Kopflinien.
• Nach aussen gedrehte Ellenbogen.
• Steile oder fassbeinige Hinterhand. (Beine biegen sich nach außen und sehen von hinten aus wie ein Fass)
• Nach innen gedrehte Sprunggelenke.
• Über- und Untergrösse von mehr als 1 und weniger als 3 cm.


AUSSCHLIESSENDE FEHLER
• Scheues, aggressives, bösartiges, übertrieben misstrauisches, nervöses Verhalten.
• Missbildungen jeglicher Art.
• Betonte Umkehrung des Geschlechtsgepräges.
• Gebissfehler wie Vorbiss, Rückbiss, Kreuzbiss.
• Grobe Fehler in den einzelnen Regionen wie Gebäudefehler, Haar- und Farbfehler.
• Über- und Untergrösse von mehr als 3 cm.

 

Hunde, die deutlich physische Abnormalitäten oder Verhaltensstörungen aufweisen, müssen disqualifiziert werden. N.B. : Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.

Quellen: http://www.fci.be/de/ ; https://de.fotolia.com/ ; https://www.youtube.com/